Martin
Bundi, Cuera/Sagogn
ZUR
BESIEDLUNG DER OBERSTEN STUFE DES VORDERRHEINTALES
(Die
Val Tujetsch im Vergleich zur Val Gherdeina)
Es
ist eine faszinierende Aufgabe für den Historiker, dem „Werden einer
Talschaft" nachzuspüren. Infolge der sehr dünnen oder fehlenden Quellenlage
im Früh- und Hochmittelalter müssen manche Erkenntnisse bruchstückhaft
bleiben. Schlussfolgerungen lassen sich jedoch auch über indirekte Zeugnisse
und Indizien ziehen. Insbesondere ist es nötig, sich nicht allein auf die
schriftliche Ueberlieferung abzustützen, sondern die Resultate der
Hilfswissenschaften miteinzubeziehen, wie der Archäologie, der Geographie, der
Toponomastik und der Lingustik.
Die
Tagungsleitung wünschte sich in Zusammenhang mit der Besiedlungsthematik der
Val Gherdeina (Gröden) einen „Vergleich mit einer Talschaft in Graubünden".
Ich habe dafür eine Talschaft ausgewählt, die in mehrfacher Hinsicht
Parallelen zur Val Gherdeina aufweist, in einigen Punkten aber auch Abweichungen
aufzeigt. Vorweg seien nur zwei Merkmale genannt: Die Val Tujetsch bildet wie Gröden
Bestandteil der alten Rätoromania; sie weist jedoch im Gegensatz zu Gröden
keine prähistorische Besiedlung auf.
1.
Die geographischen Bedingungen
Sowohl
Tujetsch als Gherdeina sind zwei Täler der rätischen Alpen, die nicht einem
klassischen Nord-Südverkehr dienen und nicht als Hauptverkehrsachsen gelten.
Sie sind eher als Längstäler der Alpen zu betrachten. So steigt das Tujetsch süd-westlich
an und Gherdeina süd-östlich, mit Betonung auf westlich und östlich. Als
Bestandteil der Ost-Westtransversale Rhein-Rhone, liegt das Tal Tujetsch etwa 35
km nördlicher und 240 km westlicher als Gröden. Die klimatischen Bedingungen
zeigen kaum grosse Unterschiede. Das Hauptsiedlungsbecken liegt im Tujetsch
zwischen 1300 und 1500 m ü.M., in Gröden zwischen 1200 m und 1500 m. Gröden
ist als Gesamttal etwas länger als Tujetsch (12 km / 10 km).
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| Von
beiden Tälern führen Passstrassen in benachbarte Talschaften: Von Gherdeina
aus das Grödnerjoch (2121 m) nach Kolfuschg in die Val Badia und das Sellajoch
(2214 m) nach Canazei in die Val di Fassa; daneben gibt es weitere kleinere
Uebergänge. Von Tujetsch aus führt der Oberalppass (Crispalt, Cuolm d'Ursera,
Alpsu, 2044 m) nach Westen ins Urserental, heute als befahrbare Strasse und
Eisenbahnstrecke. Der Chrüzlipass (2347 m) nach Norden ins Maderanertal (Uri)
und der Passo Bornengo (2651 m) südlich nach Ambri-Piotta ins Tessin sind nur
als Fusswege ausgebildet. Das rätoromanische Tujetsch grenzt also im Norden und
Westen heute an deutschsprachige Gebiete, im Süden an das italienische
Sprachelement. Alle diese Pässe - in Tujetsch und in Gröden - dienten einst
vor allem einem lokalen oder regionalen Vieh- und Warenverkehr im Rahmen der
inneralpinen Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Besondere
Aufmerksamkeit beansprucht im Tujetsch der Oberalppass, weil über ihn die früheste
Besiedlung der Talschaft Urseren (1450 m bis 1550 m) erfolgte. Aehnlich scheint
die Situation in Gröden im Verhältnis zu Kolfuschg jenseits des Grödnerjochs
zu liegen. In unsere Betrachtungen über die Besiedlung des Tujetsch muss
deshalb auch der Aspekt Urserental miteinbezogen werden. |
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Ausgangspunkt
für die Besiedlung des Tujetsch war das Kloster Disentis (1142 m). An diesem
Punkte mit der Abzweigung einer nach Süden führenden Passstrasse, des
Lukmanier (1950 m), der erst im Hochmittelalter an Bedeutung gewann, gründete
der Hl. Columban im 7. Jahrhundert eine Zelle, die zu Beginn des 8. Jahrhunderts
zu einem Kloster („monasterium" - rätoroman. Gemeindename: Muster)
ausgebaut wurde. Die Gegend hiess aber noch 765 - im sogenannten Tello-Testament
- „in loco qui dicitur desertina": d.h. in der Einöde oder Wildnis.
Eigentliche Dörfer gab es in dieser Landschaft damals noch keine. Das letzte,
oberste Dorf im Vorderrheintal war das unterhalb - Disentis liegende Sumvitg
(„ad summum vicum"). Rückschlüsse
aus der Urkundenlage des 12./13. Jahrhunderts lassen folgern, dass sowohl das
Medelsertal in Richtung Lukmanierpass als auch das Tujetsch in Richtung
Oberalppass-Urserental einen ersten Besiedlungsschub
im 8./9. Jahrhundert
erlebten: Eine durch grosszügige Schenkungen gestärkte wirtschaftliche Basis
des Klosters Disentis versetzte das Benediktinertift in die Lage, die
„Kulturarbeit" mit dem Boden und die Erschliessung der bisher fast unberührten
Talschaften in die Wege zu leiten. Die eigentliche Landnahme- und Rodungstätigkeit
gestaltete sich im Rahmen eines Wettbewerbs zwischen Klosterbrüdern (Laien,
Konversen) und -hörigen (Colonen) einerseits und freien Bauern anderseits. Es
ist wahrscheinlich, dass mit dem ersten frühmittelalterlichen Besiedlungsschub,
der nicht urkundlich belegt werden kann, das Talbecken des Tujetsch um Rueras
und Sedrun ausgebaut wurde. Doch gibt es auch Vermutungen, wonach Giuv (1572 m)
und Caspausa (1689 m), einstige hochgelegene Höfe am alten Oberalpweg, die
ersten Siedlungen des Tales gewesen wären.1 Die
ersten urkundlichen Belege für das Tujetsch sowie auch für das Urserental
stammen aus dem 13. Jahrhundert. 1237 ist ein „Willihelmus de Tiuesch"
erwähnt.2 Insgesamt spiegeln die frühesten Urkunden das Bild einer
ausgreifenden, im 11./12. Jahrhundert neu
in Gang gesetzten Landnahme,
den zweiten grossen Siedlungsschub, wider. Drei Erscheinungen kennzeichnen diese
Phase: a) Vom Kloster Disentis über das Tujetsch und den Oberalppass liessen sich
rätoromanische Siedler im Urserental
nieder (Val d'Ursera = Bärental). Urseren weist einen hohen Prozentsatz an
romanischen Orts- und Flurnamen auf, so nebst Ursaria auch Hospenthal
(*hospitaculum) und Realp (*ripa alpa).3 Hier hatten die Erstsiedler
vor 1203 den Ort Andermatt (lat. Prato, rom. Pont; deutsch 1309 an der Matte)
angelegt, wo sich schon seit längerem eine S. Columban-Kapelle befand. Unter
den Zeugen eines Güterverkaufs erschienen 1203 nämlich ein Olricüs de Prato
(Andermatt) und ein Walterus „prelatus de Ursaria" (Rektor der Kirche).4
Die Columbanskirche wurde gemäss der Placidus-Tradition zur Ehre Gottes und als
Vermittlerin guter Tugenden unter den wilden Bewohnern dieser Gegend, „que pro
sui asperitate Ursaria dicitur", errichtet.5 b) Die namentlich genannten Zeugen von 1203 bestehen aus fünf Vertretern
des Klosters Disentis, Romanen, und fünf deutschen Leuten aus dem Goms, der
obersten Talstufe des Wallis, das nebst dem Vorderrheintal die bedeutendste Längsfurche
in den inneren Alpen darstellt. Die Urkunde von 1203 zeugt von einem engen
Kontakt zwischen Disentis und dem Oberwallis, der eine rege Begehung der Pässe
in der Längsachse Oberalp und Furka voraussetzt. Zur Erhöhung seiner
wirtschaftlichen Einkünfte lädt das Kloster Disentis Leute
aus dem Oberwallis
ein, sich neben rätoromanischen Siedlern im Hochland von Urseren und auch im
obersten Tujetsch niederzulassen und sich an der Landnahme zu beteiligen. So
weist die Talschaft Urseren bereits im 13. Jahrhundert eine Mischbevölkerung
aus Romanen und Walsern auf. c) Zugleich mit Urseren wurden auch die obersten Lagen des
Tujetsch,
so insbesondere die Weiler Tschamutt, Caspausa und Mulinatsch in der Höhenlage
von ca. 1700 m und am alten Talweg zum Oberalppass gelegen, von Walsern aus dem
Wallis mitbesiedelt. Im Tujetsch blieb jedoch das Element der rätoromanischen
Siedler derart vorherrschend, dass sich weder die von Westen eingewanderten
Walser noch die von Süden zugezogene Einwanderer italienischer Sprache
kulturell durchsetzen konnten. Im
Rahmen der regen Beziehungen zwischen dem Kloster Disentis und dem Wallis steht
die Präsenz von Konventualen walserischer Herkunft in Disentis sowie von Güterübertragungen
und -schenkungen hinüber und herüber. Eventuell aus Walliser niederem Adel
stammen die ersten bekannten Ministerialen
des Klosters Disentis
im Tujetsch. Als solche werden 1285 genannt: „De Ciuez ministeriales dominus
Hugo miles de Poltaningen" und „Wilhelmus frater suus".6
Dieses Geschlecht hatte seinen Sitz in einer Ende des 12./anfangs des 13.
Jahrhunderts bei Rueras errichteten Burg, der einzigen des Tales. Vertreter der
Pontaningen erscheinen des öfteren in Urkunden des 13. Jahrhunderts als Förderer
der Klosterinteressen, je nachdem auch in Bündnisgemeinschaft mit Adeligen aus
dem Wallis oder mit klösterlichen Amtsleuten im Urserental. So bezeugen sie
1285 eine Rückerstattung von Gütern an das Kloster zusammen mit Joannes de Mösen,
Hans von Hospenthal und Nicolaus de Glurinchen, genannt „homines de Ursaria
pertinentes ecclesiae Disertinensi". Die von Pontaningen erscheinen früh
als in die romanische Gemeinschaft des Tujetsch voll integrierte Talleute, die
um 1400 führende Funktionen im Grauen Bund ausübten.7 Die
Territorialhoheit über das Tujetsch und Urseren behauptete das Kloster Disentis
unangefochten bis etwa nach 1300. Dies änderte sich mit der zunehmenden
Bedeutung des Gotthardverkehrs. Um 1308 erhob das Haus Habsburg Anspruch auf die
Reichsvogtei Urseren, d.h. auf die Hochgerichtsbarkeit daselbst über die freien
Leute, und im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts machten sich die Talleute von
Urseren von Disentis unabhängig, indem sie die niedere Gerichtsbarkeit an sich
zogen und sich politisch in einem Landrecht mit Uri verbündeten.8
Die Kolonen der Talschaft Tujetsch hingegen, dieseits des Oberalppasses,
verblieben in der klösterlichen Verwaltung, allerdings seit dem 15. Jahrhundert
im Rahmen von immer mehr Mitbestimmungs- und Selbstverwaltungsrechten. Die
freien Bauern im Tujetsch anderseits gehörten seit jeher und auch weiterhin zur
Gerichtsgemeinschaft der Grafschaft Laax, d.h. zum grossen Verband der Freien
„supra silva", oberhalb des ir Grossen Flimserwaldes. Die allgemeine
Bezeichnung für die Gemeinschaft aller Talleute des Tujetsch, d.h. von freien
romanischen Bauern, Colonen (Hörige, älteste Gotteshausleute) und
eingewanderten Walsem (jüngere Gotteshausleute) lautete um 1325 „vicini de
Tuvez". 3.
Zur Siedlungsgeographie und gesellschaftlichen Gliederung im Mittelalter In
diese ursprünglich von Wäldern, Weiden und Schuttkegeln geprägte Landschaft
komponierten die Rodungsbauern kultivierte Wiesenstreifen, Ackerterrassen,
Weidelichtungen und Maiensässe sowie ihre Wohnsitze in Höfen und Weilern. Die
bedeutendsten Siedlungen entstanden bei *Rova (vorröm. Erdschlipf, Riss Sturz),
das mit dem Suffix -aria zu Rueras
wurde, und bei Sedrun,
der aus „subtus draco", rom. sut dragun, entstandenen Bezeichnung für
den Ort unter dem Wildbach. Der Weiler Selva
(1537 m) war einst die Siedlung mitten im Wald. Durch intensive Rodung wurden
grosse Waldflächen im Haupttal wie auch an den Flanken zurückgedrängt und
reduziert. Im Namen Scharinas
(von lat. acer + Abl. -ina, Ahorn), einem Alpgelände auf fast 1900 m, verbirgt
sich die einstige Präsenz eines Ahornwaldes, von dem schon längst keine Spuren
mehr vorhanden sind. Die
Siedlungslandschaft
des Tujetsch
offenbart sich zum ersten Mal als schriftliches Zeugnis in einem Jahrzeitbuch
oder Anniversar von 1456. Darin figurieren namentlich 66 Höfe, worunter
Siedlungen als Einzelhof, Weiler und kleines Dorf zu verstehen sind. Giachen
Caspar Muoth, der dieses Urbar 1898 erstmals kommentierte, äusserte sich hierzu
wie folgt: „Von diesen 66 Hofnamen bezeichnen etwa 45 nicht bloss Einzelhöfe
oder Hofstätten (lat. casamenta), sondern grössere Hofniederlassungen, sog.
Huben (lat. mansus oder coloniae) mit einer Anzahl von Hütten, die von
verschiedenen Familien, doch wohl der gleichen Sippe, bewohnt wurden. Auch hatte
jede grössere Hofgruppe ihr ausgeschiedenes Gebiet - sowohl an Acker- und
Wiesland, wie an Heimweide - und bildete sonach im Verhältnis zu den anderen
Hofgruppen eine kleine Nachbarschaft für sich. Die Gesamtheit dieser kleinen
Nachbarschaften (rom. uclauns) bildete endlich die grosse Nachbarschaft (rom.
vischnaunca) Tavetsch oder das Thal Thavetsch".9 Diese Ausführungen
bedürfen lediglich des ergänzenden Hinweises, dass im vorliegenden Urbar nur
der Teil der Hörigenbevölkerung, die Untertanen des Klosters, erfasst war.
Hinzu rechnen muss man noch den Anteil der freien Bauern, die zum grössten Teil
in den gleichen im Klosterverzeichnis genannten Siedlungen wohnten, zum Teil
aber auch an Oertlichkeiten, die dort nicht genannt waren. Die freien Leute
scheinen urkundlich nur selten auf, weil sie nicht grundabgabepflichtig waren
und daher speziell nicht in Urbarien aufgeführt wurden. |
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| Mira era Uclauns |
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Noch
einige Ausführungen zur
ökonomischen und politischen Organisation
der grossen Nachbarschaft Tujetsch: Muoth hat zurecht festgestellt, dass „nach
der Anschauung des Mittelalters das Weideland (und der Wald) eines Gebietes als
Zubehörde (Pertinenz) der sogenannten Heimgüter, d.i. des urbarisierten und
bebauten Bodens des nämlichen Gebiets betrachtet wurde. Das galt sowohl von den
sogenannten Heimweiden (Frühlings- und Herbstweiden), als auch von den
Sommerweiden, die man bei uns Alpen nennt".11 Die
meisten Alpweiden waren also Genossenschaftsalpen, auch wenn sie Erblehen des
Klosters waren, die im gemeinschaftlichen Weidgang genutzt wurden. Grundsätzlich
privat wurden die urbarisierten Aecker und Wiesen genutzt, allerdings mit der
folgenden Einschränkung: Im Frühjahr bis am 1. Mai und im Herbst ab dem 1.
Oktober unterstanden auch diese Privatgüter der freien Gemeinatzung durch die
Viehherden auf dem ganzen Grund und Boden des Tales. Die meisten
Genossenschaftsalpen gingen bis zum 19. Jahrhundert in den Besitz der grossen
Talnachbarschaft Tujetsch über, das heisst sie wurden Gemeindealpen. Um
1380 und 1391 wird urkundlich sichtbar, wie 25 Siedler aus dem Raume Rueras und
den Weilern am Eingang zur Val Giuv eine selbständige Alpgenossenschaft
darstellten, die eine Reihe von Bestimmungen über die Weiden und Alpen ihres
Einzugsgebietes erliessen. Sie verfügten vor allem, dass niemand von ihnen noch
ihre Nachkommen Güter oder Rechte an Leute ausserhalb ihrer Genossenschaft
versetzen, verleihen oder verkaufen durfte. Das war eine Abwehrmassnahme, die
sich vermutlich gegen eingewanderte Siedler deutscher und (oder) italienischer
Herkunft richtete. Hielt sich ein Mitglied nicht an diese Regelung, verfielen
dessen Rechte oder Besitzungen an die Genossenschaft.12 Zur
Nutzung des Gesamteigentums bildete sich bis zum Spätmittelalter eine
politisch-ökonomische Organisation der Selbstverwaltung heraus. Das Tal
Tujetsch war einer von vier Grosshöfen des Einzugsgebietes des Klosters
Disentis. Es delegierte vier Vertreter (geraus gronds) in das Landesgericht (von
insgesamt 16). Als Vertreter des Klosters amtete ein Statthalter (altrom.
locotenent) im Tal, der ursprünglich von Abt und Konvent ernannt, später aber
von den „vicini" frei gewählt wurde. Er war der Nachfolger des früheren
Grossmeiers in Rueras (migiur grond).13 Die Statthalterfunktion
entwickelte sich zu derjenigen eines Talschaftspräsidenten. Ihm zur Seite stand
ein Rat von Delegierten aus den grösseren Weilern (geraus pintgs). Wichtige
Sachen mussten Statthalter und Rat vor die Versammlung aller „vicini" der
Talschaft bringen („Radunonza da vischins"). Diese „radunonza
communala" entschied endgültig über alle wichtigen Angelegenheiten des
Tales. So verwischten sich gegen Ende des Mittelalters die alten Unterschiede
von Freien und hörigen Gotteshausleuten, und auch die alten Funktionen von
Ministerialen und Meiern gingen unter zugunsten einer neuen auf Selbstverwaltung
begründeten politisch-ökonomischen Einheit. 4.
Die mittelalterliche Oekonomie In
der Viehzucht
herrschte während des Früh- und Hochmittelalters eindeutig die Schafwirtschaft
vor. Das Grossvieh mit der Rinderzucht beginnt erst seit dem13. Jahrhundert an
Bedeutung zu gewinnen. Dies belegen u.a. die seit dieser Zeit sich häufenden
Nennungen von Kälberzehnten und Käseabgaben. - Die vielen abgelegenen
Weideareale stellten bestens geeignete Schafalpungsgebiete dar. In den schwierig
zu begehenden Alpgründen der Tujetscher Nebentäler, insbesondere von Nalps,
war ursprünglich das sogenannte Tavetscher Torfschaf daheim. Die
Schafwirtschaft wird durch viele Hinweise bezeugt: Spätmittelalterliche
Urkunden sprechen von Lämmerzehnten. Im Jahre 1390 kaufen sich die Tujetscher
Tal- und Gotteshausleute vom Kloster Disentis vom sogenannten Schafsgeld los?15
Dies bedeutete die Ablösung des Lämmerzehntens. Die gewaltige Summe von 103
churwälschen Mark, welche sie dafür bezahlten, unterstreicht die hohe
Bedeutung der Schafwirtschaft noch in dieser Zeit. Mannigfach spiegelt sich das
Schaf in den Flurnamen. Drei Formen kommen hier vor: a)
Nutrix/Nuorsa,
(die Ernährerin!) die allgemeine Bezeichnung für Schaf im rätoromanischen nördlichen
Graubünden. Da ist einmal das Weideareal von Nurschallas (nutrix + Suffix
-ella), dann Nurschai, eine ehemalige Siedlung auf ca. 1600 m westlich Rueras,
sowie die Alpflurbezeichnungen Letg da nuorsas und Stavel da nuorsas. b)
Feta,
die alte, nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für Mutterschaf, das frisch
geworfen hat. Im Tujetsch findet sich ein Rest davon im Weidenamen Plaunca
Fadal. c)
Campus
de bestia
(Areal der Schafe oder Schafshof) widerspiegelt in seinen Umformungen,
insbesondere im seit 835 in Churrätien bezeugten Campiescha, einen Typus, der
einst im gesamten alträtischen Raum verbreitet war. Bestia ist heute nur im
Engadin noch die Bezeichnung für Schaf (bes-cha), während es in Nordbünden
allgemein Vieh bedeutet. Im Tujetsch steht der Weilername Camischolas für den
alten Schafshof (Campus de bestia - Campiescha - + Diminutivform -ola).16 An
dieser Stelle drängt sich ganz speziell ein Vergleich mit den Dolomitentälern
auf. Einmal fällt es auf, dass da wie dort die beiden alten Bezeichnungen
„feta" und „bestia" für das Schaf in Flurnamen vorkommen. Das
ladinische „biscia" für Schaf ist allgemein sehr verbreitet. Wie im
Engadin, hat es die semantische Verschiebung von Tier im allgemeinen zu Schaf
durchgemacht.17 Noch grössere Bedeutung weist auch in den Dolomiten
„feta" auf, wie im Tujetsch, eine nicht mehr lebende Namensform. In den
Dolomitentälern scheint sie in vielen Urkunden und auch in einzelnen Orts- oder
Flurnamen auf. Urkundlich begegnet man den Formen: Federa, Fedare, Fodares, Tru
de Fedes usw. in unzähligen Wiederholungen)18 „Federa/Fodare"
war hier die Bezeichnung für Schwaighöfe mit Schafzucht. Ihr häufiges
Vorkommen unterstreicht die grosse Bedeutung der Schafwirtschaft auch in
Ladinien vor dem 14. Jahrhundert. In den alten Dokumenten werden die
„fedares", die Schwaighöfe mit Schafzucht, klar von den
„armentares", den Schwaighöfen mit Grossvieh, unterschieden. Meines
Erachtens steht „feta" auch am Ursprung der Orts- oder Flurnamen Fodöm/Fedöm
und Fedaja. In „Fodöm" liegt die alte Nennung für
Buchenstein/Livinallongo vor. Die bisherigen wissenschaftlichen Versuche, den
Namen von „vicedominus", „fodina" oder „fagus" abzuleiten,
scheinen kaum überzeugend.19 So würde die These, dass sich „Fodöm",
von „feta" ableitet und damit eine Kollektivbezeichnung für das Tal der
Schafherden darstellte, wohl verdienen, weiter untersucht zu werden.
„Fedaja" ferner, der Name für den Passübergang von Canazei nach
Caprile, stellt wohl eine einleuchtende Feta-Denomination dar. Eine
Verschiedenheit zwischen Tujetsch und Ladinien (Gröden) besteht im folgenden
Sachverhalt: Während die im Tujetsch vorherrschende Namensform für das Schaf
„Nutrix/nuorsa" in den Dolomiten nicht vorkommt, erscheint dort „ovile"
urkundlich des öfteren als „curia ovilis", „curtis cum ovili",
„ovilia scilicet swaichove" oder übersetzt als „swaig von schäffen"20.
Ovile war also im Dolomitenraum die im Mittelalter einst weit verbreitete
Bezeichnung für den Schafshof. In Graubünden, wo die Namensform ursprünglich
ebenfalls Schafstall bedeutete, verschob sich der Wortsinn zur allgemeineren
Bedeutung des Viehstalls überhaupt (uigl, nuegl). Im Tujetsch finden sich denn
auch keine „ovile"-Nennungen in Zusammenhang mit der Schafwirtschaft. – Eine
ebenso wichtige Stütze der alpinen Landwirtschaft des Tujetsch war der
Ackerbau.
Er wurde von Anfang an bis in die höchsten Siedlungslagen betrieben und diente
bis zum ausgehenden Mittelalter einer autochtonen Selbstversorgung.
Vorherrschend war der
Getreide- und der Flachsanbau.
P. Placidus ä Spescha berichtete 1805 von den noch lebendigen Spuren des
Korn- und Flachsanbaues in Giuv auf ca. 1600 m: Es waren dies die Kornhisten
(rom. „caschners"), Lattengerüste, auf denen die Korngarben zum
Ausreifen aufgeschichtet wurden, die Stalltennen zum Dreschen des Getreides, und
die Teiche, in welche die Flachsgarben eingeweicht wurden. Ein weiterer Zeuge
ist der Hofname "Mulinatsch" (aus spätlat. *molinum + Abl. -aceu) auf
1717 m.21 Nicht nur in diesen obersten Höhenlagen ist dieser Anbau
inzwischen verschwunden; auch in den Haupttallagen wurde er allmählich nach dem
Zweiten Weltkrieg fast ganz aufgegeben. - Dass der Kornanbau im Spätmittelalter
im Tujetsch noch eine eminente Bedeutung besass, zeigt sich u.a. im Umstand,
dass um 1338 der Kälberzins (decimae vitulorum) nicht in Gestalt von Tieren
geleistet wurde, sondern als Kornabgabe. Für ein geschuldetes lebendes Kalb war
ein Kornquantum von einem Sextarius (zwei Quartanen), für ein geschlachtetes
Kalb eine Quartane Korn abzuliefern.22 - Ein weiteres Indiz für den
intensiven einstigen Ackerbau ist der Flurname Quadra
(im Tujetsch: Quadras, Quart, urk. 1550 auch Quadrella). Er kommt in fast allen
alträtoromanischen Siedlungen des mittelalterlichen Churrätiens vor und
bezeichnet stets eine Ackerflur in bester Lage in Dorfnähe. Es handelte sich um
den grossen Acker, von dem einst die Freien Romanen gemeinschaftlich ihren Zins
dem König abführten, eine Leistung, die aber schon um 1300 in Geld abgeliefert
wurde. Die Institution der Quadra geht auf das 9./10. Jahrhundert zurück und
wird erstmals urkundlich sichtbar beim Uebergang von königlichen (Ottonen)
Besitzungen und Rechten an den Bischof von Chur.23 Quadra-Fluren sind
denn stets sowohl Zeugen des Ackerbaues als auch der Existenz freier Leute. 5.
Kirchliche Verhältnisse Von
besonderem Interesse in Zusammenhang mit der Besiedlung und dem Landesausbau ist
die Kirche
S. Jakob und Christophorus in Rueras.
Sie reiht sich in eine Serie von insgesamt 20 Kapellen mit diesem Patrozinium im
Kanton Graubünden ein, zu denen noch fünf darauf bezug nehmende Flurnamen
kommen. Als urkundlich älteste Nennung erscheint eine Kapelle in Salina, einem
Dorfteil von Ramosch, 1178 als
Besitzung des Klosters Marienberg im Vinschgau. Dann folgt 1222 die Erwähnung
von „ecclesiam sancti Jacobi in Bretenkowe", d.h. die neugegründete
Klosterkirche der Prämonstratenser im Prättigau, oder, wie sie im
Domkapitelurbar des 13. Jahrhunderts genannt wird: „Stis
Jacobi de Silva".25
Aus dieser Siedlung mitten im Wald des frühen 13. Jahrhunderts entstand die
Ortschaft und der heutige Tourismusort Klosters. Auf ähnliche Weise dürfte
sich Rueras im Tujetsch entwickelt haben, obwohl hier die frühesten Hinweise
fehlen. An der Weggabelung, wo ein Strang in Richtung Selva und Tschamutt führte
und der andere zu den Weilern von Giuv und Mulinatsch und über Milez und
Scharinas zum Oberalppass, bildete der Kirchenbau von S. Jacob und Christophorus
ursprünglich den Kern einer Siedlung
im Walde.
Um diesen Mittelpunkt herum wurde die Landschaft gerodet und aufgelockert. Die
neu entstandenen Höfe entlang der alten Oberalpstrasse bezeugten noch lange
eine engere kirchliche Bindung zu S. Jacob in Rueras als zur Pfarrkirche S.
Vigilius in Sedrun. Aus dem Jahre 1616 datiert der Bericht von einer 1609
errichteten S. Jacob-Bruderschaft in Rueras. Von den ca. 40 Mitgliedern
derselben stammten deren acht aus dem hochgelegenen Weiler Giuv.26 Die
bündnerischen S. Jakobskirchen finden sich grösstenteils in
hochmittelalterlichen Ausbaugebieten, inmitten von Rodungsinseln, an
Weggabelungen oder als Wegkapellen an Verbindungsstrassen. S. Jakob war
bekanntlich der Schützer der Wanderer und Pilger. Zusammen mit S.
Christophorus, dem Helfer gegen Pest und Naturkatastrophen, hat er seinen
Ehrentag am 25. Juli und gehört er nebst S. Nikolaus, dem Patron der Hospize
und Pilger (6. Dez.), zu einer Gruppe von Kirchenpatronen, die um 1050 bis 1150
im Alpengebiet ihre eigentliche Verbreitung erfuhr.27 - Eine
eklatante Parallele zu S. Jakob in Rueras liegt nun in S.
Jakob in Gherdeina
(S. Säcun) vor.28 Hier wie dort behauptet die einheimische
Tradition, dieser Kirchenbau sei der älteste des Tales. Möglicherweise wurden
beide Gotteshäuser im 13. Jahrhundert gebaut. An beiden Orten tritt S. Jakob in
Verbindung mit S. Christophorus auf. In Tujetsch und in Gröden steht S. Jakob
unverkennbar in Zusammenhang mit dem Rodungs- und Landesausbauprozess des
Hochmittelalters, nur dass S. Jakob in Gröden seinen Standort als Rodungsinsel
bis heute bewahrt hat. 6.
Parallelitäten - Offene Fragen Auf
einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Tälern wurde bereits
hingewiesen: Das Fehlen eines prähistorischen und römischen Substrats im
Tujetsch. Offene
Fragen und damit auch Forschungsherausforderungen verbleiben teilweise für
beide Talschaften, teilweise für Gröden im speziellen in den folgenden
Bereichen: Anteil der Freien am Landnahme- und Besiedlungsprozess (da die Freien
nicht in Abgabeverzeichnissen aufscheinen, fehlt für sie eine eindeutige
Quellenlage); Beteiligung deutscher Siedler an der mittelalterlichen Landnahme;
Grad der Ausgestaltung der Selbstverwaltung in der Talschaft; Soziale
Bedingungen der rätoromanischen Bauern im Mittelalter; Genossenschaftliche oder
private Nutzung der Alpen; Zusammensetzung von Ackerbau und Viehwirtschaft im
Rahmen der alpinen Landwirtschaft; Genauere Angaben über die Betriebsstrukturen
und -grössen; Bedeutung von S. Jakob als Schutzpatron in Rodungsgebieten;
Detailanalysen über die Aussagekraft von Orts- und Flurnamen im Hinblick auf
wirtschaftliche Abläufe und historische Prozesse. Während im bündnerischen
Tujetsch die verfügbaren Quellen praktisch alle ausgewertet sind, scheinen in
Ladinien noch unausgeschöpfte Urbarien und Gerichtsakten der vertieften
Bearbeitung und Interpretation zu harren (z.B. mittelalterliche Gerichtsakten
von Gufidaun).29 Bei
den anstehenden Forschungsaufgaben kann ein Blick über das Tal hinaus und auch
über die eigene Landesgrenze hinweg nicht schaden. Im Gegenteil, erweist sich
die komparative Betrachtung der Verhältnisse über den ganzen Alpenraum als ein
sehr fruchtbares Unternehmen. Neue Erkenntnisse und Zusammenhänge werden
dadurch sichtbar. So z.B., dass das „forestum unum ad Gredine" von
994/1005 durchaus einem im Tujetsch zur gleichen Zeit zur Rodung freigegebenem
Waldareal entsprechen konnte, einem Nutzungsgebiet in einer dynamischen
Ausbaulandschaft, die 300 Jahre zuvor noch eine „desertina" gewesen war.30 |
AbstractRicercando
nei Grigioni una vallata in qualche modo comparabile alla Val Gardena nelle
Dolomiti, l'autore ha scelto la valle di Tujetsch: si tratta di un territorio un
po' piü piccolo della Val Gardena, situato piü o meno allo stesso livello sul
mare e con condizioni climatiche analoghe. In comune hanno un primo insediamento
a partire dall' 8./9. secolo - testimoniato per Tujetsch - probabile (e forse
anche anteriore) per la Val Gardena. Il processo di colonizzazione piü
importante si verifica dall' 11. al 14. secolo, attuato da contadini
retoromanici (ladini). Inoltre si constatano movimenti migratori oltre i confini
della vallata (da un lato per il Passo Oberalp, dall'altro per i passi
dolomitici). Chierici e vassalli al seguito di un feudatario si presentano sia
qui ehe lä in modo preminente. In entrambi i casi 1'agricoltura medievale e
fortemente improntata fino al 1300 dall'economia legata all'allevamento di
pecore. Le tracce di tale economia sono riscontrabili sia da documenti scritti
come pure da nomi di localitä e di campi. Dal punto di vista ecclesiastico
entrambe le zone sono caratterizzate dalla presenza centrale di una chiesa
dedicata a San Giacomo. Accanto a tutta una notevole serie di caratteristiche
comuni, nel capitolo conclusivo si richiama 1'attenzione anche su alcune
differenze e questioni ancora dibattute. In particolare sarebbe molto
interessante indagare in quale misura abbiano contribuito alla colonizzazione in
Val Gardena contadini proprietari, liberi da vincoli di servitü della gleba,
quale sia stato il rapporto tra terreno arabile e prativo per un maso di media
dimensione e fino a ehe punto 1'organizzazione comunitaria abbia inciso
sull'economia e la vita dei gardenesi del Medioevo.
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Bibliographie
BERTHER,
Baseli P.: Sas era nua Giuf ei? In:
Rätoromanische Chrestomathie, Bd. 1, Erlangen 1888. Hg. von Caspar Decurtins,
5.718-727.
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1)
Berther, Baseli P. Sas era nua Giuf ei? In:
Rätoromanische Chrestomathie, Bd. 1. Erlangen 1888. Hg. von Caspar Decurtins. S.
718-727. Berther
zählte auch die einstige Siedlung Nurschai zu den ersten des Tales. Er vertrat
die unseres Erachtens richtige Meinung, dass die ersten Siedler von unten herauf
und nicht - wie etwa behauptet- von Westen über den Pass her gewandert seien.
Die drei genannten Höfe lagen ursprünglich noch in einer von einem Waldgürtel
geschützten Umgebung; die obere Waldgrenze wurde erst in den folgenden
Jahrhunderten nach unten gedrückt. 2)
Bündner Urkundenbuch II, S. 211. „Willihelmus" ist Zeuge in einem Güteraustausch
des Klosters Disentis mit dem Kloster Rüti. 3)
Vgl. Stähelin, Felix. Die Schweiz in römischer Zeit. Basel 1931. S. 389. In
einigen geschützten Lagen der Alpentäler nahm Stähelin auch dauernde
Besiedlung in römischer Zeit an. Er verwies u.a. auf die im Umfeld von Urseren
anzutreffenden romanischen Talund Ortsnamen Uri, Bürglen, Silenen, Göschenen
und Schöllenen. „Auch die Beobachtung, dass die technischen Ausdrücke der
schweizerischen Alpwirtschaft zum guten Teil romanische Lehnwörter sind, zwingt
zu der Annahme, dass der deutschen Bevölkerung gerade auch im Hochgebirge eine
romanisierte Bewohnerschaft vorangegangen ist". Vgl. Käse (caseus),
Schotten (excocta) und Stafel (stabulum). 4)
Bündner Urkundenbuch II, S. 17. 5)
Hug, Albert / Weibel, Viktor. Urner Namenbuch, Bd. 3. Altdorf 1990. S. 789
Urseren. Zitat aus der „Passio S. Placidi" des 13. Jahrhunderts, in:
Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte, 46/1952, S. 164. - Ein eigentlicher
Hauptpfarrer von S. Columban in Andermatt erscheint 1288: „Hem Uolrich dem
kilchherren von Ursaerron". Vgl. Bündner Urkundenbuch III, S. 224. 6)
Bündner Urkundenbuch III, S. 145. Wilhelm von Pontaningen taucht schon früher
auf, so 1252 und 1261. Vgl. Bündner Urkundenbuch II, S. 333 und 384 sowie III
S. 86. Ob die zwischen 1259 und 1281 genannten Brüder „Willehelmus et frater
eius Ruodolfus de Thiuesch" Mitglieder der Familie von Pontaningen sind
oder nicht, ist ungewiss. 7)
Bündner Urkundenbuch III, S. 145. Vgl. auch do. S. 235. Bündnis mit Walliser
Herren vom 5. Aug. 1288 in „Ursaria", S. 420. 26. Juli 1300: Die
Uebertragung der Eigenfrau Berta, Tochter des Aegidius von Tujetsch, genannt de
Casura, mit ihren Kindern durch das Kloster Disentis an das Kloster Wettingen
„ante castrum Bultingen". 8)
Vgl. Müller, Iso. Geschichte von Urseren. Disentis
1984. - Vgl. Maag, Rudolf. Das
Habsburgische Urbar. Bd. I. Basel 1894. S. 285-287 „Das Amt Urseren".
„Der selben vogty gerichte vachet an uffen Crispaltz, da du frye grafschaft
von Lags usgat, und gat untz uffen Furke und von dannent untz ze Sant Gothart
und von Sant Gothart nutz an die stiebenden Brugge". Vgl. auch: Meyer,
Werner. Die Bedeutung des Gotthards, in: Schweiz. Zeitschrift für Geschichte
1994, 700 Jahre Schweiz im Wandel, S. 316. Gemäss Meyer hat „der erste grosse
Aufschwung des Gotthardverkehrs aber mit Sicherheit nach 1300 begonnen. Als
Bellinzona um ca. 1340 mailändisch wird, kehrt die für einen Aufschwung nötige
Ruhe an der Südrampe des Gotthards ein". 9)
Muoth, Giachen Caspar. Die Thalgemeinde Tavetsch. Ein Stück
Wirtschaftsgeschichte aus Bünden. In: Bündner Monatsblatt 1898, S. 8 ff. Zitat
S. 11/12. - Vgl. zur Talschaft Tujetsch in neuerer Zeit: Decurtins, Guido.
Wirtschaft und Bevölkerung des Bündner Bergtals Tavetsch um die Mitte des 19.
Jahrhunderts. Liz.Arbeit, Zürich 1986. 10)
Muoth, Die Thalgemeinde, S. 12. 11)
Muoth, Die Thalgemeinde, S. 15. 12)
Gemeindearchiv Tujetsch, Nr. 5 und 7. 13)
Muoth, Die Thalgemeinde, S. 18/19. - Die „villicatio" in Rueras bildete
im Früh- und Hochmittelalter das wichtigste Meieramt des Klosters im Tale
Tujetsch. Der Haupthof von Rueras befand sich unweit der Burg Pontaningen, wo
das Geschlecht gleichen Namens residierte und als Talrichter fungierte, d.h. die
niedere Gerichtsbarkeit ausübte, welche gegen Ende des Mittelalters in die Hand
der Talgemeinde überging. 14)
Berther, Sas era nua Giuf ei?, S.725,726. In
der S. Sebastianskapelle von Giuv hängt eine aus dem Vorbau stammende Glocke
von 1480 mit der Inschrift des Herstellers: Joseph Bonifaz von Walpen von
Reckingen. Das ist die älteste Glocke des Tujetsch aus dem Wallis. Die grosse
Glocke von S. Jacob in Rueras von 1490 stammt nach Berther vermutlich ebenfalls
aus dem Wallis. Die grosse Glocke von Selva von 1788 und die kleine von 1822
tragen ebenfalls die Firmenbezeichnung „von Walpen de Rekingen" aus dem
Wallis. 15)
Gemeindearchiv Tujetsch, Urkunde Nr. 6 vom März 1390. 16)
Vgl. die Belege in: Rätisches Namenbuch Bd. 1 und 2, hg. von Andrea Schorta,
Bern 1964. - Vgl. auch: Bundi, Martin. Zur Besiedlungs- und
Wirtschaftsgeschichte Graubündens im Mittelalter, Chur 1982. 17)
Kramer, Johannes. Etymologisches Wörterbuch des Dolomitenladinischen. 1. Bd.
Hamburg 1988. S. 292/293 18)
Vgl. Richter-Santifaller, Berta. Die Ortsnamen von Ladinien. In:
Schlern-Schriften 36. Innsbruck 1937. 19)
Kramer, Etymologisches Wörterbuch, Bd. 111, 1990, S. 277/278. - Vgl. auch:
Richebuono, Bepe. Kurzgefasste Geschichte der Dolomitenländer. San Martin de
Tor 1992. S. 43. Die dortige Angabe: „Für eine „armentara" brauchte es
als Grundlage für die Aufzucht fünf bis sechs Milchkühe, für eine
„fodara" ungefähr 25 Schafe" kommt annähernd an die für Graubünden
errechneten Grössenverhältnisse heran. Allerdings muss das Grossvieh
differenziert nach Grossvieheinheiten betrachtet werden, und die genannte Zahl
Schafe als Existenzgrundlage für eine Familie kann nur gelten, wenn es sich um
Milchschafe handelte. 20)
Richter-Santifaller, S. 29 (Badia), 42 (Kampidell), 59 (Corvara), 67
(Colfuschg). 21)
Berther, Sas era nua Giuf ei? S.
721. 22)
Gemeindearchiv Tujetsch, Urkunde Nr. 4 vom Jahre 1338. 23)
Bundi, Zur Besiedlungs- und Wirtschaftsgeschichte, S. 71-78. 24)
Poeschel, Kunstdenkmäler Graubündens, Bd. V,
S. 151 ff. 25)
Bündner Urkundenbuch Bd. I,
S. 295, Bd. II,
S. 129, 281. - Vgl. auch: Farner, Oskar. Die Kirchenpatrozinien des Kantons
Graubünden, in: JHGG 1924, S. 1-178. Jakobuskirchen S. 115-116. 26)
Berther, Sas era nua Giuf ei? S. 722. 27)
Müller, Iso P. Geschichte der Abtei Disentis. Zürich 1971.- S. 34. 28)
Gröden. Südtiroler Gebietsführer 33. Hg. von Bruno Mahlknecht. Bozen 1981. S.
130-133. 29)
Neben der bereits genannten Literatur zum Tujetsch sei noch eine neuere
Erscheinung erwähnt: „Senda ecologica - Oeko-Wanderweg Sedrun. Illustrierter
und kommentierter Wanderbegleiter der Val Tujetsch. Hg. von der Gemeinde
Tujetsch. Basel 1995. Darin finden sich diverse Beiträge allgemeiner Natur mit
vergleichender Sicht auf den übrigen Alpenraum. 30)
Vgl. Richebuono, Kurzgefasste Geschichte der Dolomitenladiner, S. 31.
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