|
Il
catschadur
Ella cronica da Giachen Antoni Venzin (1839-1918) cumpara Gion Clemens 1830 sco catschadur d’uors. Aschia noda el: Igl onn 1830, il davos di da settember, hagien ils dus frars Tumaisch (*1802) e Gion Clemens Riedi (1797-1879) cun aunc Sep Loretz, tuts treis da Selva, vuliu far ina excursiun suenter igl uors. Udend pliras gadas entras il cavrer da Rueras, ch'ei setegni si in uors en la Val Mila, Caschlè e che havevi schon scarpau bia cauras. Quels treis catschadurs ein i igl entir di, tudi a raguidond ora las gondas e vallettas ed anflavan nuot. Per la sera tard, ch'ei vegnevi gleiti stgir, vegnend dallas gondas da Caschlè giuado, segli ei cheu tuttenina avon els in terribel uors enagiu encunter Mila. Els plein curascha han fatg spert e tillau suenter tuts treis ina salvgia per in. Els ein lu dai suenter, denton igl uors ei buca staus. Els han encurschiu saung per la crappa entuorn. Vegnend stgir ein els vegni a casa. En in artechel titulaus “Feuilleton - Il catschadur Gion Clemens Riedi de Mustér”, cumpara ella Gasetta Romontscha nr. 22 dils 29 da matg 1879 in necrolog che cumpeglia ils schabetgs dalla lavina da Selva digl onn 1808 e la catscha sigl uors igl onn 1838: Il catschadur Gion
Clemens Riedi ch’ei morts ils 8 da matg 1879 en casa pauperila a Mustér,
ei tras siu cumbat cugl uors vegnius eternisaus el renomau cudisch: Das
Thierleben der Alpenwelt da Fr. Tschudi, mo ual aschi remarcabla ei
stada sia aventura ella lavina. Sco necrolog da quei valerus fegl dalla
natira alpina, suonda cheu ina raquintaziun da quels dus aventurus
schabetgs.
Clemens grescha e
cloma cull’entira famiglia. La glieud suravi auda enzatgei ed entscheiva
a cavar. Ventireivlamein vegn l’entira casada liberada ord fossa, ed en
tgina anflan ei il giatcasa smaccaus dalla neiv, havend quel encuretg in
bien igniv en tgina suenter che la mumma ha giu priu gl’affon en letg,
che fuss tschelluisa era daventaus in’unfrenda dalla mort. Ils morts
cavai si duront treis dis ein vegni zugliai en blas, transportai sin
schliusas a Sedrun e leu sutterai en ina fossa communabla.
L’entschatta
november ein lura ils dus catschadurs e vischins a Madernal, Clemens Riedi
ed Augustin Biscuolm vegni perina da far flucs cun quei malvugliu schani.
Gl’emprem di da catscha era Biscuolm sentardaus e Riedi semetta en siu
ardiment tut persuls sin viadi. Ellas grauflas dalla Val Barcuns anfl’el
fastitgs digl uors, el vegn en rocla e senza schientscha seretegn el sin
ina platè. Revegnius continuescha el sia campagna, arriva tier in grep,
nua ch’igl uors veva sia tauna. El cuchegia da quella en ed encorscha
ils egls dalla bestia, che tarlischavan el stgir sco duas cazzolas. Riedi
ei spert seresolvius, el tacca sia buis, metta si in capsel, fa ina s.
crusch e tila, mo la buis disdescha per l’emprema e secunda ga. Cun
metter si il tierz capsel va il siet, las vals ramplunan dil ferm plum ed
igl uors dad si in terribel sgregn. Il catschadur seglia spert d’ina
vart, prepara in niev siet, tuorna anavos, cuchegia dalla tauna en mo
encorscha negin uors. Nunsefidond da tut persuls irritar danovamein la
bestia, va el per quella sera a casa e raquenta sia catscha a siu camerat
Biscuolm. Ussa suonda aunc l’aventura da catscha nunscursanida ed en versiun tudestga cumparida en “Das Thierleben der Alpenwelt” da Fr. Tschudi: In den zerissenen ungeheuren Gebirgen, welche das Dörflein Disentis wie Cyklopenmauren umgeben, fand im Dezember 1838 ein böser, seltsamer Bärenkampf statt. Der Jäger Joh. Clemens Riedi aus Disentis hatte den ganzen Tag die breitsohlige Spur eines Bären verfolgt, bis er abends die letzten Auftritte an einer gefährlichen Felsenwand verlor. Er sah, dass der Bär sich in das Revier dieser Schlucht zurückgezogen haben musste. Der Fels bildete dabei einen scharfen Vorsprung, hinter dem er da Tier vermutete, und wo es den Jäger zu einem Kampf auf Leben und Tod erwarten mochte. Riedi suchte es erst durch Lärm herauszulocken, und als dieses nicht gelang, näherte er sich mit vorgehaltenem, gespannten Gewehre. Als er den engen, turmhohen Felsenpfad erreicht hatte, sah er, dass entweder der Jäger oder der Bär auf dem Platze bleiben müsse, da für keinen eine Flucht möglich war. Dem Felsenwinkel nahe, entdeckte er ein Loch in der Felsenwand. Der Jäger ging vorsichtig darauf los. Da gewahrte er im Dunkel des engen Loches des Bären funkelndes Augenpaar; eine Pranke ragte so weit heraus, dasss er sie mit der Hand hätte fassen können, während der übrige Teil der gewaltigen Bestie im Grunde der Höhle verborgen lag. Riedi wollte den Schuss wagen; aber zweimal versagte der Stutzer und unbeweglich funkelten die Bärenaugen auf den tollkühnen Jäger. Da donnerte endlich der Schuss, und furchtbares Gebrüll aus der Höhle machte zugleich die Felsen erbeben. Der Jäger retirierte so weit als möglich, um der erwarteten Verfolgung des Tieres entgehen zu können, und lud den Stutzer wieder. Bald verstummte das Gebrüll und Riedi wagte sich zur Höhle zurück, wo Augen und Tatze verschwunden und alles finster war. Er horchte. Ein leises Kratzen und Scharren tönte heraus, und von dem Gefühle eines panischen Schreckens übermannt, zog er sich aus der Schlucht zurück und ging nach Hause.
Aus
Leibeskräften rief Biscuolm den Gefährten, während er, mit der Bestie kämpfend,
einen Abhang hinunterzurollen bagann. Mit aller Kraft gelang es ihm,
dieselbe zu überwerfen, aufzuspringen und den Stutzer vom Rücken zu
reissen. Aber der Bär hatte sich schon wieder aufgemacht, und da das
Schloss des Stutzers noch zugebunden war, hielt der Jäger dem Tiere den
Kolben vor, auf den es mit offenen Rachen losstürzte. Indessen war auch
Riedi die Tanne heruntergeklettert und schoss rasch den Bären durch die
Seite, worauf sich derselbe einige Schritte zurückzog, um von neuen auf
beide Jäger loszustürzen, als der Bärenkämpfer Biscuolm Zeit gewann,
dem Tiere den dritten, nun tödlichen Schuss beizubringen. Es zeigte sich,
dass die erste Kugel in der Höhle dem Bären das ganze Gebiss
zerschmettert hatte. Dies und der grosse Blutverlust hatte den Kampf
weniger gefährlich gemacht. Indessen waren beide bis an den Rand eines
Abgrundes gerollt und wunderbarerweise imstande gewesen, sich noch zu
halten. Era
la pressa grischuna, la „Churer Zeitung“ publichescha el
„Wochenblatt“ digl 1. da december 1838 l’aventura da Clemens Riedi
sut il tetel:
Kaum
hatte er den sehr engen und thurmhohen Felsenpfad erreicht, so überzeugte
er sich, dass entweder der Bär oder der Jäger bei der Lage der Dinge
erliegen müsste; denn an eine Flucht war seinerseits nicht zu denken, und
dem Bären blieb auch kein anderer Ausweg offen, als derjenige, auf dem er
vom Jäger angegriffen wurde. Indessen gieng er vorsichtig, aber
entschlossen, vorwärts, und als er den verhängnisschweren Felsenwinkel
erreicht hatte, und seines Feindes immer noch nicht ansichtig wurde,
bemerkte er in der steilen Felsenwand die enge Öffnung einer Höhle. Dass
dies das Versteck des Bären sei, war nicht mehr zu bezweifeln; allein
dessen Grösse liess sich des undurchdringlichen Dunkels halber nicht wohl
ermitteln. Joh. Clemens gelangte mit gespanntem Gewehr an die Öffnung;
den Stutzer immer vorhaltend, sah er hinein und erblickte die flammenden
Augen und eine weit vorgestreckte Bärentaze, die er leicht mit seiner
Hand hätte erreichen können. Kopf und Leib des Thieres verhüllte ihm
die Finsterniss.
Nachdem
dieser mehrmals zurückgeblickt, und vom Bären weiter nichts bemerkt
hatte, erstellte er sich ausser dem gefährlichen Felspfade, denn von
hieraus glaubte er, lasse sich noch die Möglichkeit einer Flucht
denken, wenn der Feind ihn verfolgen sollte. Hier lud er sein Gewehr, und
da der Feind immer noch unsichtbar blieb, kehrte er zur Höhle zurück.
Die Flammenaugen und die Tatzen waren verschwunden; im Übrigen die
gleiche Dunkelheit, wie zuvor. Unzweifelhaft schien es, dass der Bär
schwer verwundet sei. Der Jäger horchte an der Öffnung und zu seinem
wahrhaft panischen Schrecken gewahrte er in der Höhle ein Scharren mit
den Klauen. Übermannt von dem Gefühl des Schreckens, was einem einzelnen
in einer solchen Lage sich befindenden Manne wohl zu verzeihen ist,
eilte er nach Hause. Bei ruhiger Überlegung der Sache, glaubte er ohne
weiteres die wilde Bestie getötet zu haben, und das Scharren, das ihn so
beängstigt hatte, schien ihm nur die lezten Lebenszukungen desselben
bezeichnet zu haben. In Begleitung dreier anderer Jäger begab er sich
Tags darauf wieder auf die Reise nach der Bärenhöhle, und alle waren so
sehr vom Tod des Thieres überzeugt, dass sich nur zwei mit Gewehren
versahen, obschon alle vier als gewandte Jäger bekannt sind. Jene Gegend
ist schauderhaft und sehr gefährlich, zumal in dieser Jahreszeit, wo sie
kaum zugänglich ist. Auf einer Felsenbank angekommen, entschlossen sie
sich, da kein anderer Weg sich darbot, an einer alten, hart am steilen
Felsen sich befindlichen Tanne hinunter zu klettern. Augustin Biscuolm von
Disentis, seinen Stutzer am Rücken und über die Brust angeschnallt,
klettert zuerst hinunter, und kaum hatte er den Boden erreicht, sprang der
Tags zuvor tödtlich verwundet geglaubte Bär in zwei ungeheuer weiten Sprüngen
auf ihn zu, umfing ihn vorne um die Brust, und warf ihn zu Boden. Der Unglückliche
rief aus Leibeskräften seine Kameraden um Hülfe an, während er mit dem
Bären den sehr steilen Bergabhang hinunter rollte, dabei aber eben so
waker und muthig kämpfend, dass es ihm endlich gelang den Bären zu überwerfen,
und selbst aufzustehen und sein Gewehr abzuschnallen.
Wenn
die Wahrheit des hier Erzählten jemand bezweifeln zu müssen glaubt, so
diene demselben zur Nachricht, dass jenes die Quintessenz der übereinstimmenden
Aussagen vierer verschiedener Personen sei. Erscheint diesem jemand die
Nichtanwendung der sonst diesem reissenden Thiere eigenen Kraft
auffallend, so bedenke derselbe, dass der Schuss das ganze Bisswerk des Bären
zersplitterte, folglich dasselbe untauglich machte, und dass der Bär in
Folge dessen sich so sehr verblutete, dass er seine natürliche Kraft
verlor, denn der Bärenkämpfer versichert, er habe die Tatzenstreiche des
Bären kaum gefühlt. - Übrigens versichern die in dieser Sache
betroffenen Jäger, dass der Kampf zwischen Biscuolm und seinem Gegner,
das Knurren und Angrunzen, das Umfassen einer so schrecklichen Bestie, das
Hinunterrollen des ungleichen Kämpferpaares bis an den Rand eines
schauerlichen Abgrundes, überhaupt der ganze Vorfall einen furchtbaren
Eindruck, einen Eindruck, den kein anderes Ereigniss verwischen könne,
auf sie gemacht habe.
Fontaunas
|