La Ruosna da Paliz                                                                            Romontsch (mit Fotos)
eine ehemalige Erzmine in der Val Nalps/Tujetsch.

Vortrag von Tobias Hendry

Einleitung
In meinem Vortrag stelle ich eine ehemalige Erzmine in der Val Nalps/Tujetsch vor. Im Sommer 1989 stiegen mein Vater ein Bekannter und ich zu ersten mal in die Mine ein. Vor 300 Jahren wurde hier Erz abgebaut. Am Eingang zur Mine sieht man rechts die Jahreszahl 1697 in den Felsen gehauen. Mein Vater hatte den Eingang der Mine schon in seiner Kindheit als Hirte gesehen. Wegen der Angst der gehörten Geschichten, die über die Mine erzählt wurden, wagte er sich nicht weiter in die Mine hinein. Im Sommer 1989 gab es für ihn eine Möglichkeit die ganze Mine zu erforschen. Er nahm auch mich mit zu diesem Abenteuer.

1. Beschreibung der Erzmine
Die Erzabbaustelle befindet sich in der Val Nalps auf dem Gebiete der Gemeinde Tujetsch am linken Talabhang der Alp Tgom. Die Mine befindet sich auf 1875 Meter über Meer. Der Eingang ist aus dem festen Felsen herausgeschlagen worden, und ringsherum sieht man noch heute sehr gut die Spuren der Steinmeissel. Als erster stieg damals der Bekannte, der einige Erfahrung hatte in der Begehung von Höhlen, in die Mine ein. Er nahm einen Seil mit, um zu schauen wie lang der Stollen ist. Er war gut ausgerüstet und als Beleuchtung diente eine Karbidlampe.

Als er glücklich zurückkam nahm er meinen Vater und mich mit in den Stollen. Am Anfang geht es 10 Meter geradeaus. Die Höhle wird immer enger bis man sich ducken und schliesslich auf dem Bauch kriechen muss. Nach einem Stück Gekrieche findet man sich in einem grossen Raum wieder. Von hier aus führen zwei steigende Gänge nach links und rechts in den Berg hinein. Der rechte Gang geht noch neun Meter weiter bis er auf das Ende stösst. Der linke Gang ist viel länger, er ist 25 Meter lang. In diesem Gang sieht man überall morsche Holzbalken mit denen die Mine abgestützt wurde. Nach fünf Meter teilt sich der Gang in einem oberen und unteren Gang, der nach 6 Meter wieder zusammenkommt. Zehn Meter weiter ist man auch am Ende dieses Ganges. Hier ist man 39 Meter vom  Eingang entfernt. Die Höhendifferenz beträgt 15 Meter. Schaut man hier nach oben sieht man einen Holzboden auf dem die Arbeiter Erz abgebaut haben.

2. Die Arbeit im Berg
Im allgemeinem wurde während des Sommers und bis in den Herbst hinein gearbeitet. Im Frühling bildete das Schmelzwasser eine grosse Gefahr; bei Schlechtwetterperioden führt die Grube heute noch Wasser. Während des Winters herrscht in diesem Gebiet natürlich grosse Lawinengefahr. Der Stollen wurde - das versteht sich - von Hand mit Spitzmeissel und Hammer in den Berg vorgetrieben. Um das feste und harte Gestein zu lockern, wurde es zuerst mit Feuer erhizt, danach liess man es abkühlen. Vor allem beim Grubeneingang, wo das Gestein äussert hart ist, wurde auf diese Weise gearbeitet. Nach 12 m ändert sich das Gestein, es wird weicher, und somit auch leichter zu bearbeiten. Im Grubeninneren sind die Bergleute den Bleiglanzadern in allen Richtungen gefolgt . Um den Fels abzustützen, wurden Holzpfähle eingerammt, welche teilweise noch heute sichtbar und funktionstüchtig sind! Mit den primitiven Werkzeugen jener Zeit war die Grubenarbeit bestimmt äusserst mühsam. Auf den Abbau im Berg folgte dann die nicht minder schwere Arbeit des Transports zum Aufbereitungsort.

   

3. Die Verarbeitung des Erzes
Vom Palitserstollen in der Fallinie hinunter, am Ufer des Nalpserrheins, befindet sich ein Ort "Falluns" (Stampfe) genannt. Höchstwahrscheinlich wurde das Bleierz auf Schleifen die steilen Abhänge des Palits hinunter zu den Pochen gezogen. Dort wurde das Gestein weiterverarbeitet. Mittels der Wasserkraft brachen die Pochstempel die Gesteinsbrocken, die das kostbare Erz enthielten. Danach wurde es gewaschen und sortiert - dies war eine Arbeit, die auch von Frauen und Kindern ausgeführt wurde. Ganze Familien arbeiten beim Erzabbau mit, der Vater selbstverständlich als Bergmann im Stollen.

 

4. Das Schmelzen des Erzes
Ob das Erz auch an diesem Ort geschmolzen wurde, ist schwierig zu sagen. Die Schmelzen wurden immer wieder  an anderen Orten errichtet, weil für diese Arbeit riesige Holzmengen benötigt wurden.
Jedenfalls war das gebrochene und gewaschene Gestein leichter zu transportieren und konnte anschliessend an einem anderen Ort geschmolzen werden.
Ein Beweis für die Bleierzverhüttung findet sich an den Ufern des Rheins in der Val Gierm: Unmittelbar neben der Wasserfassung der Kraftwerke Vorderhein sind Mettalkrusten (Schlacken) zu finden. Befand sich hier einmal ein Schmelzofen?
Noch heute kann man in unmittelbarer Nähe im Wald mehrere alte Fundamente sehen, die mit mächtigen Tannen überwachsen sind. Es sind Fundamente von ehemaligen Gebäuden. Wer weiss, vielleicht auch von Schmelzöfen? Wurde das Erz von Palits hier geschmolzen? Vielleicht wegen des reichen Holzvorkommens?
Zu jener Zeit wurde das Erz in offenen in den Boden gegrabenen Öfen - sogenannte Rennöfen - geschmolzen. Das Feuer erhitzte die Gesteinsbrocken, das Metall schmolz aus dem Gestein und sammelte sich auf dem Ofengrund. Nach dem Erkalten  wurde es gesammelt und den Schmieden zur Weiterverarbeitung übergeben. In späteren Zeit wurden Schmelzöfen gebaut, in denen die Blasebälge mit Wasserkraft angetrieben wurden.

Schluss
Die Palitsermine war von eher geringerer Bedeutung für den Erzabbau im Bündner Oberland. Bestimmt hat sie keine grossen Bleiglanzmengen geliefert. Bleiglanz war damals jedoch sehr gesucht und wurde gut bezahlt. Deshalb haben die Bergbaubetreiber Mühen nicht gescheut. Im Vergleich zu anderen Minen unseres Kantons war das Ausmass der Erzgrube klein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde dann der Abbau eingestellt und die Grube fiel in Vergessenheit. Heute zeugt sie von vergangenen Zeiten, die wir modernen Menschen je länger desto mehr Mühe haben zu verstehen.