Hausberg der Gemeinde Tujetsch

Die Gemeinde Tujetsch mit seinen elf Ortschaften, und jede Ortschaft wird wohl seinen eigenen Hausberg haben; so Sedrun und Gonda den Cuolm da Vi; Rueras wahrscheinlich den mächtigen Piz Culmatsch; Selva den Piz Maler; Tschamut den Cavradi. Für das ganze Tal, für die westlichste Gemeinde Graubündens ist der Piz Badus, auch Six Madun genannt, mit seinen 2928 m.ü.M der Hausberg.

Die einzigartige Aussicht vom Badus ist ungeheuer beeindruckend. Der Aufstieg wird reichlich belohnt und lässt den Badus zum meistbesuchten Berg der Gegend werden. Wenige Gipfel geben ein solches Panorama frei. Fast das gesamte Alpengebiet der Schweiz und sogar grosse Berggebiete Italiens und Österreichs können eingesehen werden.     

Die Erstbesteigung
Die Erstbesteigung erfolgte im August des Jahres 1785 durch Pater Plazidus a Spescha (1752-1833) zusammen mit dem Dekan Pater Fintan Birchler. Darüber schreibt a Spescha: „Von Tschamut aus gegen Westen setzten wir über den Bach, der eine Mühle treibt, die von alters her schon dagestanden hat. Wir übersetzten die kleine Ebene „Prau mulins" und die kleine Alp Surpalits und betraten die Lehenalp Tschamut. Wir übersetzten den Bach, welcher von Nordwesten von dem Talgelände Muschaneras herabfliesst, über dessen Anhöhe der Bergpass der Oberalp nach Urserental führt. Von den oberen Hütten der Tschamuter Alp wendeten wir uns gegen Südwesten längs der Halden von Nurschallas, wo wir alte Holztrümmer im Bache wahrnahmen, bis zur sumpfigen Ebene Plidutscha, in welcher der Tuma- den Siarabach aufnimmt. Nächst dem nördlichen Ufer des Tumabaches stiegen wir bergauf und erreichten in kaum einer Stunde die Anhöhe, wo vor uns ein rundes Tal sich auftat und der ungefähr 6000 Quadratschuh grosse See spiegelte. Was das Gemälde noch mehr hob, war eine kleine grasige Ebene hinter dem See nebst drei Bächlein, welche sich sanft durch dieselbe schlängelten und in den See ergossen. Über die felsige und steinige Umrahmung des Sees, über das Hervorsprudeln und Rauschen des Bächlein, über die emporragenden mit Schnee bedeckten Gebirgsmassen und Zwischenschluchten, vorzüglich aber über das Sammelbecken der Hauptquelle des Vorderrheins war mein Begleiter so entzückt, dass er ausrief: Ich bin begnügt. Gott sey Dank.

Wir gingen demnach längs des Sees über die genannte Ebene westlich vorwärts; wir bestiegen weidenreiche Terrassen und vereiste Schneelagen und langten auf dem Berggrat an, wo wir auf den grünen Teppich des Urserentales niedersahen. Von da aus wendeten wir uns gegen Mittag, um über den Berggrat an den Fuss des zu besteigenden Gipfels zu gelangen. Allein von dort aus konnte ich den guten Alten um keinen Schritt mehr vorwärts bringen, den er war vor dem hohen Absturz ins Unteralptal von Urseren so erschrocken und vom Atemholen so beklemmt, dass er sogar mein Anerbieten, ihn bis auf den Gipfel zu tragen, ausschlug.

In einem Zeitraum von weniger als einer Viertelstunde stand ich auf der Anhöhe des Berges. Als ich aber dort mich niedergesetzt hatte, kroch eine Ratte aus dem Gestein der obersten Lage des Gipfels hervor, und als sie eine kurze Weile mich angestaunt hatte, verkroch sie sich wieder. Dies schien mir ein seltsames Willkommen.

Der Gipfel des Badus ist scharf zugerundet und stellt einen Haufen von Gneissblöcken dar. Seine Höhe ist nur mittelmässig und sein nördliche und nordöstliche Seite mit Schnee angedeckt. Allein seine Lage gewährt dem Auge eine prächtige Aussicht."

Unglück und Abenteuer
Im Jahr 1869 fand ein Hirte am Fusse des Badus die Knochen eines Menschen, wahrscheinlich von einem Handwerker, der den Weg über die Oberalp verfehlte.
Im Jahr 1871 erscheinen zwei Engländer nach dem Abstieg vom Badus im Hotel Rheinquelle in Tschamut. Dort warten sie auf den dritten Kameraden, der oberhalb vom Tomasee zurückblieb. Aus Angst, den Kameraden zu verlieren, schicken seine Freunde einige Männer auf die Suche. Um drei Uhr nachts erscheinen die Männer erfolglos und die zwei Engländer begeben sich selbst auf die Suche. Kurz darauf begegnen sie dem Freund. Sie kehren ins Hotel und die Männer wurden reich belohnt, den in den Augen des Engländers war dieses Abenteuer Gold wert.

Eine Sage
Da war in Tschamut ein sehr eitles Mädchen. Die ging, damit alles ihre schöne Kleider sehe, immer erst, wenn alles in der Kirche war, zur Messe. So musste alles sich nach ihr umsehen. Darum ist sie nach ihrem Tode auf den Badus verbannt worden, wo sie noch heute ihre Röcke droben in den Felsen zur Schau tragen kann.

Das Wetter
Ist der Badus mit einer Wolkenkappe bedeckt, bedeutet das schlechtes Wetter.
Oder: Das war ein Barometer: Sah man eine Dame mit rotem Rock und Strohut auf dem Grat zwischen Badus und Nurschalas spazieren gehen, dann waren die Bauern auf ein grosses Unwetter, auf Sturm gefasst. Die Bauern beeilten sich irgendwo unter Dach zu kommen. Dier Hirten trieben ihr Vieh zusammen an sichere Plätze, wenn sie das Fräulein mit dem roten Reifrock erblickten.

Der Tomasee
Einmalig und bezaubernd schön ist der Tomasee am Fusse des Berges, oder „La tgina dil Rein", wie die Einheimischen ihn benennen, was soviel wie „die Wiege des Rheins" bedeutet. Von hier bis zur Mündung in die Nordsee legt der Rhein 1320 Km zurück. Es ist ein einzigartiges Gefühl an der Wiege eines der bedeutesten Flüsse Europas zu stehen.

 

Quellen:   Pater Placidus a Spescha Sein leben und seine Schriften Pieth/Hager 1913
Bergwanderungen im Bundner Oberland/Surselva Peter A.Dettling 2002
Mythologische Landeskunds von Graubünden 2.Teil Arnold Büchli 1970