Gemeinde Tujetsch - Hauptort Sedrun

Bautätigkeit und Tourismus der letzten Jahre    
Arbeit von Ottavio Hendry (12-2000)

Inhaltsverzeichnis

1.         Statistisches über Tujetsch
2.         Entstehung von Tujetsch
3.         Die Besiedlung von Tujetsch
4.         Entwicklung des Tourismus
4.1      Die touristischen anfänge im Tujetsch
4.2      Angebot in der Wintersaision
4.3      Angebote im Sommer
4.4      Das Beherbergunswesen
4.5      Logiernächte
4.6      Chancen und zukunftaussichten für denTourismus im Tujetsch
5.         Bautätigkeit
5.1      Einleitung
5.2      Bautätigkeit / Beschlusse
5.3      Bauzonen
5.4      Einige Aspekte
5.5      Das Typische Sedrunerhaus
5.6      Statistik der letzten Jahre
6.         Schlusswort
7.         Literatur und Quellen

 

Vorwort

Obwohl ich wenig Zeit habe mit dem was früher war sich zu beschäftigen, habe ich grosses Interesse für die Geschichte. Darum habe ich auch dieses Thema gewählt. Dieses Interesse habe ich wahrscheinlich von meinen Vater bekommen. Meine Heimat, die Gemeinde Tujetsch, hat in den letzten Jahren eine grosse Entwicklung durchgemacht und das besonders auf dem Gebiet des Tourismus und im Baugewerbe. Ohne Tourismus hätte die Gemeinde sicher nicht diese Bautätigkeit der letzten 20 Jahre gehabt. Diese Arbeit gibt einen kleinen Überblick uber diese Entwicklung, die nicht nur positives gebracht hat.

 

   

1. Statistisches über Tujetsch

Bezirk  Vorderrhein
Kreis Disentis
Fraktionen Bugnei, Camischolas, Cavorgia, Dieni, Gonda, Rueras. Sedrun, Selva, Surrein, Tschamut, Zarcuns
Sprache Rätoromanisch
Fläche 13391 ha, davon 905 ha Wald, 894 ha Kulturland, 2817 ha unproduktives Land
Konfessiun römisch-katholisch; reformiert
Steuerfuss 95% der Kantonssteuer
Exekutive  5 Mitglieder
Legislative  11 Mitglieder
Wappen In Rot silbern eine durch zwei Türme befestigte Brücke
Einwohnerentwicklung:  1900 809   Einwohner
1910  915
1920  929
1930   1002
1940  935
1950   1105
1960  1957
1970 1437
1980 1547
1990 1624
2000  1711  (1.11.2000)

2. Entstehung von Tujetsch
Der Name Tujetsch gilt für das ganze Tal vom Oberalppass bis ausserhalb Bugnei. Ein Dorf Tujetsch hat es nie gegeben. Gatschet ist der Ansicht, Tavetsch und Tujetsch kämen vom mundartlichen Wort tigia = tegia =  Sennhütte und der Endung - etia her, hätten also die Bedeutung „Tal mit Sennhütten.“ Diese Namensdeutung des Tales durch seine ersten spärlichen Bestosser erscheint natürlich. Eine zweite Version, die Tujetscher seien Nachkommen der Aethuatier, und der Name stamme vom keltischen diwez = Grenze, ist weniger wahrscheinlich. In den ältesten Urkunden findet man für den Namen verschiedene Schreibweisen: Tuvez, Tivez, Thivetz und Thyfetz. Seit August 1976 gilt amtlich der Name „Tujetsch“. Erwähnt wird der Name Tujetsch zum ersten male in einer Urkunde anlässlich der Weihe der Pfarrkirche von Sedrun im Jahre 1205. Von der damals errichteten und neu geweihten Kirche ist noch der heutige Turm erhalten.

Die Besiedlung des Tales wird wohl nach der Gründung des Klosters Disentis im 8. Jahrhundert begonnen haben. Vorher war das Gebiet von Tujetsch, Disentis und Medel bis auf die Oberalp und zum Tomasee hinauf mit Wald bedeckt. Beim Bau der Furka-oberalp-Bahn 1912 kamen auf dem Oberalppass grosse Baumstämme zum Vorschein. Zur Römerzeit, als Augustus Kaiser des Römerreiches war, bildete Rhätien mit Wallis eine Provinz unter dem gleichen Prokurator. Man darf deshalb mit Berechtigung den Schluss ziehen, dass sich zu jener Zeit schon ein für Krieger begehbarer weg von Chur über den Oberalp- und Furkapass durch das Wallis hinzog. Aus dem mitteralter haben sich Urkunden erhalten , welche erkennen lassen, dass ein reger Handelverkehr mit Ochsenwagen, Eseln Saumtiere und Trägern zwischen Sitten und Chur , also auch durch das Tal Tujetsch, bestand.

3. Die Besiedlung von Tujetsch
Nach Prof. Giachen Hasper Muoth erfolgte die Besiedlung von Tujetsch von drei Seiten: von Uri und Wallis vom Medelsertal und von Disentis. Das bezeugen Familien- und Ortsnamen. Die deutschen Einwanderer kamen über die Oberalp im 12. Jarhundert und siedelten sich zuerst in Tschamut und Selva an. Typische Walser Geschlechternamen wie Schnider und Schumacher sind in Tujetsch urkundlich belegt. Die Familennamen Loretz, Hitz, Berther und Monn sollen ebenfalls walserischen Ursprungs sein. Die Walser in Tujetsch bildeten eine Gemeinschaft für sich. Sie besassen nicht das Bürgerrecht von Tujetsch, unterstanden aber auch dem Gotteshaus von Disentis wie die übrigen Einwohner von Tujetsch. Wer das Bürgerrecht erwerben wollte, musste sich einkaufen.

4. Entwicklung des Tourismus

4.1 Die touristischen Anfänge im Tujetsch
Im Jahre 1910 kamen erstmals englische Touristen über den Oberalppass, um hier auf „Brettern“ zu fahren. Schon 4 Jahre später, 1914,  kam es in Sedrun zur Gründung eines ersten Skiclubs, 1926 wurde dann schliesslich eine Skischule gegründet. Die weitere Entwicklung des Tourismus wurde von der Inbetriebnahme der Furka-Oberalp-Bahn bestimmt. 1926 wurde der Abschnitt zwischen Disentis und Andermatt eröffnet. Der erste Versuch eines Skiliftbetriebes erfolgte 1947 (am Bahnhof von Sedrun), hierbei handelte es sich um einen Tellerlift, der nach Saisonsschluss wieder demontiert und in einer Scheune untergestellt werden konnte. Eine systematische Erschliessung des Skigebietes erfolgte jedoch erst in den Jahren 1956-62.
Innerhalb der letzten 30 Jahre entwickelte sich das Tujetsch von einer Bauerngemeinde zu einer bekannten Ferienortregion. Das bedingte eine grosse Strukturveränderung in der Lebens- und Arbeitsweise der Einheimischen. Die Umwälzung brachte einerseits wirtschaftlichen Wohlstand, anderseits aber auch eine Gefährdung der romanischen Sprache und Kultur. Wenn auch erfreulicherweise noch manche Tujetscher sich ihrer Identität bewusst sind, braucht es dennoch ein Wachsames Auge, um das Kulturelle Erbe nicht zu vernachlässigen.
Der Tourismus spielt heute die grosse ökonomische Bedeutung und ist eine der Haupteinahmequellen der Bevölkerung in Sedrun.

4.2 Angebote in der Wintersaision
Das gesamte Tujetsch verfügt über 4 Sessellifte und 10 Skilifte der Sedrun-Rueras - Bergbahnen AG mit einer Gesamtkapazität von 14.000 Personen pro Stunde. Die Sedrun - Rueras - Bergbahnen-AG gehört mit 51% mehrheitlich der Gemeinde Sedrun , so dass die Gemeindeinteressen gewahrt bleiben. Zu diesem Zweck wurde auch der grösste Teil der restlichen Aktien von Fremdinvestoren zurückgekauft. Damit kommen auch die finanziellen Gewinne der Region zugute. Das touristische Wintersportangebot besteht aus:   

- 50 km präparierte Skipisten aller Schwierigkeitsgrade
- 25 km Winterwanderpfade
- 5 km Schlittelpisten
- 15 km Langlaufloipen

Die Region bietet aber auch Nichtskifahrern ein interessantes Angebot: Man findet  ein Hallenbad als „Erlebnisschwimmbad“ mit Wildwasserkanal, Wasserfall und Sprudelbad. Zusätzlich hat ein Hotel einen eigenen Swimming-Pool.

4.3 Angebote im Sommer
Auch hierbei weist die Region eine weite Bandbreite an touristischen angeboten auf. Deutlich überwiegt der Wintertourismus im Tujetsch; man ist aber sehr bemüht, eine Steigerung des Sommertourismus zu erzielen.

Folgende Angebote bestehen für Sommertouristen:  

- 200 km Wanderwege
- 1 Sesselbahn
- ein Familienfreundliches Schwimmbad, mit Liegewiese, Planschbecken und Beach-Volleyball
- 2 grosse Kinderspielplätze in Sedrun und Rueras

Dazu Tennis, Badminton, Golf, Minigolf und Reiten. Es gibt auch Kursangebote wie Goldwaschen in Disentis, Steinesuchen und Bergkristallsuchen. Des weiteren werden Spielabende sowie eine 4-Pässe-Fahrt organisiert. Ausserdem gibt es einen Fitnesspfad.

Viel Hoffnung setzt man, in den Hochalpinen-Golfplatz bei Selva. Dieser besteht aus 9 Bahnen. Man versucht, den Sommertourismus verstärkt nach Sedrun zu bringen, vielleicht sogar die jüngere Generation. Die Ferienorte im Tujetsch- Tal sind im Sommer nach wie vor nicht ausgelastet.

4.4 Das Beherbergungswesen
Die Unterbringunsmöglichkeiten in der Gemeinde Tujetsch umfassen:

- 11 Hotels
- 750 Ferienwohnungen
- 18 Jugendlager

Die erstellte Karte von Sedrun ergibt folgendes Bild:

Alle 7 Hotels in Sedrun befinden sich entlang der Hauptstrasse Via Alpsu. Ferienwohnungen und Chalets dagegen in den der Hauptstrasse abgewandten Nebenstrassen, in Hanlage und nahe des Bahnhofes von Sedrun.

4.5 Logiernächte
 

Jahr

Anzahl

 

 

1980

349080

1981

321912

1982

344984

1983

343167

1984

327340

1985

332757

1986

329180

1987

318932

1988

320038

1989

308405

1990

330701

1991

229353

1992

229567

1993

329539

1994

316851

1995

308479

1996

286787

1997

278552

1998

249479

1999

251424

 

 

 

 

 

     

   

4.6 Chancen und Zukuftsaussichten für den Tourismus im Tujetsch
Im Jahresbericht war zu lesen , dass der Gast vor allem die intakte Landschaft, saubere Luft, den klaren Rhein und die Dorfidylle besonders schätze. Trotzdem müsse man hier im Tal der zunehmenden Erlebnisortientierung und dem stetig steigenden mobilitätsgrad der Gäste Rechnung tragen. Das erfordere, die Reaktionszeit auf Marktveränderungen zu verkürzen, da der Tourist nun einmal die „Hauptaufgabe“ und seine Wünsche massgebbend seien.

Diese Aussage zeigt , dass der Tourismus im Tujetsch wohl auch die Haupteinahmequelle ist.

In der heutigen Zeit reichen besondere Naturbegebenheit nicht mehr aus , um Urlaubsgäste in das Tal zu bringen. Vielmehr ist man nun bemüht, mit besonderen Attraktionen, wie zum Beispiel die Errichtung des Hochalpinen Golfplatzes, die Touristen für die Gemeinde und Region zu gewinnen.

Demnach ist es kaum möglich, nach Disentis ins Kino zu fahren, da die Anschlüsse keine gute Verbindung ermöglichen. Die Bevölkerung hingegen sichere sich ihre Mobilität mit einem eigenen PKW:

Positiv wird die Tatsache bemerkt , dass durch den Tourismus zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden , die einer Abwanderung, speziell der jüngeren Generation, entgegenwirken.

                             

5. Bautätigkeit

5.1 Einleitung
Sedrun ist ein Teil der politischen Gemeinde Tujetsch. Der Zeitpunkt der Besiedlung ist aber nicht nachweisbar. Man darf jedoch annehmen, dass sie nach der Klostergründung von Disentis einsetzte. Zudem lassen die Flurnamen und der Baustil auf Einwanderung vom Wallis und dem Urserental her schliessen . Die ersten Bewohner mochten nicht in Dörfern wohnen, dies wäre ihnen zu eng gewesen, zuviel Nachbarschaft, zu wenig freier Raum. Der Name Tujetsch, eine Verschmelzung von „Tigia und tia“, bedeutet ja soviel wie das „Tal der Hütten“.

Wegen Lawinengefahr musste viele Siedlungen  aufgegeben und in die Talsohle verlegt werden.

 













       

5.2 Bautätigkeit / Beschlüsse  

1555  Die Gemeinde Tujetsch umfasste 66 Hofnamen, darunter 45 Einzelhöfe und 21 Hofsiedlungen.
17./18.Jh.  Die alte Hubeansiedlung wird aufgegeben. Seither dient sie als Maiensäss.  
1691 Bau der Kirche in der heutigen Form  
1862/63 Bau der heutigen Strasse über den Oberalp  
1911 Baubeginn der Furka-Oberalp-Bahn. Fertigstellung wegen des ersten Weltkrieges erst 1926  
1918  Gründung des Elektrischen- Werks Sedrun  
1927  Gründung des Verkehrsvereins Sedrun  
1955 Konzessionserteilung zum Ausbau der Wasserkraftwerke an die Nordostschweizerische Kraftwerke (NOK). Fertigstellung 1967  
1959  Die Gebrüder Venzin in Selva errichten einen Skilift auf der Oberalppasshöhe  
1961/62 Bau des Schulhauses Sedrun  
1962  Errichtung der Skilifte Milez, touristischer Wendepunkt. In den folgenden Jahre durch verschiedene Sektionen ergänzt  
1965   Erschliessung des Skigebiets Valtgeva  
1970  Beschluss der Güterzusammenlegung  
1971  Bau eines Hallenbades  
1975/76 Ersellung eines Gemeindehauses für folgende Dienstleistungen: Gemeindeverwaltung; Verkehrsverein Sedrun; Elektrizitätswerksverwaltung Tujetsch  
1975 Annahme der Zonalpplanung und einer neuen Bauordnung  
1995  Neue Bauordnung und neuer Zonenplan  

    

5.3 Bauzonen
Der art. 61 des Baugesetzes der Gemeinde Tujetsch besagt, dass Neubauten und Renovationen sich an das Landschaftsbild anpassen und einen allgemeinen guten Eindruck hinterlassen sollen.

Zudem unterliegen die Bauzonen verschiedenen Vorschriften wie z.B. Ausnützungskoefizient, Höhe , Länge, Neigung des Daches, Holzanteil usw.

5.4 Einige Aspekte
Dorfarchitektur/Dorfbild

Die allgemein gehaltenen Vorschriften und der Wunsch, Anpassung ans Bestehende, vermochten den Renditebau des Tourismus und somit die Aenderung des Dorfbildes nicht zu verhindern.

Gemeindebeschlusse bzg. Bauwesen

Der vor 15 Jahren beschlossene totale Stop für ausländische Liegenschaftskäufe gewährt ein gesünderes Wachstum. Gleichzeitig wurde ein bestimmter Holzanteil festgelegt, was jedoch durch Anbringungen von Holzplatten umgangen wurde.

1995 wurde eine neue Zonalplanung gutgeheissen (Einteilung in Landwirtschaftszone/Bauzone). 

Bodenpreise

Sie varierten in den Wohnzone zwischen Fr. 200.- und  Fr. 250.-. Der Bodenpreis in der Landwirtschaftszone liegt um fr.3.- herum.

Güterzusammenlegung

Trotz anfänglich grosser Opposition hiess die Gemeindeversammlung die Güterzusammenlegung gut. Die früheren 6000 Parzellen wurden so auf 500 reduziert. (Vorteile für Landwirtschaft und Strassenbau).

Lawinenverbauungen

Beträge in Millionenhöhe werden für Verbauung und Aufforstung freigesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

5.4 Das Typische Sedrunerhaus  

Merkmale:  In Firstrichtung gestreckter oder beinahe quadratischer Baukörper.
Das hochgezogene Mauerwerk wiederspiegelt zusammen mit den Gewettköpfen des Holzstrickes die innere Raumeiteilung.
Es sind Gibeldächer mit First in Hangrichtung.
Die Fenster und Türen haben ein kräftiges Gericht.
Die Fensterfläche ist durch Sprossen in sechs Felder aufgeteilt.

 













5.6 Statistik der letzten Jahre

Jahr

Anzahl

 

 

1990

9

1991

4

1992

8

1993

7

1994

4

1995

4

1996

7

1997

5

1998

8

1999

3

2000

4

 

        

   

   

 

 

 

 

 

 

 



6. Schlusswort

Zu Beginn dieser Arbeit, hatte ich eigentlich keine Freude an diesem Vortrag zu Arbeiten.  Ich musste zur Vorbereitung einiges lesen und mich vorbereiten. Mit der Vorarbeit und dem Schreiben habe ich dann auch Freude bekommen für diesen Bericht.

Ich hoffe, dass mein Vortrag und meine Arbeit euch allen gefallen hat.

 

7. Literatur und Quellen
Tujetsch Igl andament da sia historia; Vischnaunca Tujetsch 1987

Das Val Tujetsch in der Schweiz, Ergebnisse einer anthropogeographischen Erkundung; Gerhard Mercator Universität Duisburg/Gesamthochschule,1994

Staatskundelager 6. HMS 1986

Jahresberichte Sedrun Turissem 

Fotos: Gemeindearchiv Tujetsch

Zonenpläne und Bauordnung der Gemeinde Tujetsch